COMET: Wie Datensouveränität zur Grundlage für innovative Smart-Living-Dienste wird 

26. März 2026

Lesedauer:

8 Minuten

Mit COMET zeigt SmartLivingNEXT, wie Datensouveränität und Innovation zusammengehen können. Das Satellitenprojekt schafft die Voraussetzungen dafür, Daten aus unterschiedlichen Kontexten kontrolliert, transparent und zweckgebunden nutzbar zu machen. Im Interview erklärt Dr. K. Valerie Carl von der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Konsortialleiterin bei COMET, warum genau darin ein entscheidender Mehrwert für künftige Smart-Living-Anwendungen liegt.

Dr. K. Valerie Carl von der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Konsortialleiterin bei COMET

Frau Dr. Carl, welches Problem löst COMET im Smart-Living-Markt? 

Im Smart-Living-Markt gibt es heute viele Daten, aber sie liegen oft in voneinander getrennten Systemen und bei verschiedenen Eigentümer:innen. Ein Teil befindet sich bei Geräteherstellern, ein Teil in einzelnen Apps, ein Teil im Gebäude selbst und ein weiterer Teil bei den Nutzenden. Dadurch lassen sich viele sinnvolle Anwendungen nur eingeschränkt oder gar nicht umsetzen; Verknüpfungen und Interoperabilität sind nicht technisch, sondern organisatorisch eingeschränkt. Genau hier setzt COMET an: Wir schaffen einen Ansatz, mit dem private Endnutzer:innen und andere Einzelpersonen, wie beispielsweise Mitarbeiter:innen, aktiv und kontrolliert in den SmartLivingNEXT-Datenraum eingebunden werden können. So entstehen bessere Voraussetzungen dafür, Daten verantwortungsvoll nutzbar zu machen und daraus neue intelligente Dienste zu entwickeln. 

COMET spricht davon, Nutzenden mehr Kontrolle über ihre Daten zu geben. Was heißt das konkret?

Das heißt vor allem: Einzelpersonen und -organisationen sollen nicht nur Daten liefern, sondern auch nachvollziehen und mitentscheiden können, was mit ihren Daten geschieht. COMET verfolgt deshalb einen transparenten und zustimmungsbasierten Ansatz. COMET-Nutzer:innen können auf Basis von Einzelanfragen gezielt festlegen, welche Daten sie für welche Zwecke freigeben möchten. Das heißt, je spezifischer die Anfrage, entscheiden COMET-Nutzende, ob sie für diese Organisation, zu diesem Zweck und für einen bestimmten Zeitraum ihre Daten direkt an das anfragende Unternehmen übertragen wollen, ohne dass das Ökosystem als Solches Zugriff auf die Daten erhält. Diese Form der Datenhoheit ist wichtig, weil sie Vertrauen schafft. Und Vertrauen ist die Voraussetzung dafür, dass Daten überhaupt in einem größeren Ökosystem sinnvoll und verantwortungsvoll genutzt werden können. Genau dafür entwickelt COMET unter anderem Dienste wie einen Data Catalogue und eine Consent Registry.

Was bedeutet COMET speziell für die Elektroindustrie und andere Anbieter im Smart-Living-Markt?

Für die Elektroindustrie ist COMET besonders interessant, weil es den Zugang zu hochwertigen, möglichst gelabelten und realitätsnahen Daten deutlich verbessern kann. Viele Unternehmen verfügen heute über gute Produkte, aber nicht über die Datenbasis, um darauf neue KI-gestützte Dienste, Serviceangebote oder Mehrwertanwendungen aufzubauen. COMET hilft dabei, diese Lücke zu schließen. 

Der entscheidende Punkt ist: Daten können herstellerübergreifend interoperabel bereitgestellt und in einen gemeinsamen, verantwortungsvoll nutzbaren Zusammenhang gebracht werden. Damit entstehen für Unternehmen neue Möglichkeiten, innovative Anwendungen zu entwickeln, etwa rund um Energieeffizienz, Komfort, Assistenz oder Betriebsoptimierung. Gerade für mittelständische und europäische Anbieter ist das relevant, weil es ihre Innovationsfähigkeit stärkt und sie weniger abhängig von datenmächtigen Plattformakteuren macht. Daten werden dabei nicht im Ökosystem selbst verfügbar gemacht, sondern nur zwischen den direkt interagierenden Ökosystem-Akteuren (z. B Nutzer:innen und anfragendes Unternehmen).  

Warum ist es so bedeutsam, Daten unterschiedlicher Dateneigentümer rechtssicher und DSGVO-konform miteinander verknüpfen zu können?

Weil genau darin ein zentraler Hebel für die nächste Entwicklungsstufe von Smart Living liegt. Viele nützliche Anwendungen entstehen erst dann, wenn Informationen aus unterschiedlichen Verantwortungsbereichen zusammengeführt werden können, also zum Beispiel Daten aus der Gebäudehülle, aus der technischen Gebäudeausstattung und aus dem individuelle Nutzungskontext. So sind beispielsweise Wohnungseigentümer:innen und Bewohner:innen Besitzer komplementärer Daten oder auch Unternehmen und Gebäudeeigentümer oder Unternehmen und Mitarbeiter:innen. 

Bislang scheitert die Verknüpfung von Daten mit unterschiedlichen Eigentümer:innen in der Praxis oft nicht an der Idee, sondern an Fragen der Zuständigkeit, der Zustimmung, der Transparenz und der rechtskonformen Umsetzung. Der besondere Mehrwert von COMET liegt deshalb nicht einfach in der Sammlung zusätzlicher Daten, sondern in der Möglichkeit, Daten verschiedener Dateneigentümer kontrolliert, nachvollziehbar und DSGVO-konform miteinander zu verknüpfen. Das schafft die Grundlage für Anwendungen, die technisch sinnvoll und gleichzeitig rechtlich sauber aufgesetzt sind. Die dafür nötige Transparenz und Zustimmungssystematik ist ein Kernbestandteil des COMET-Ansatzes.

Können Sie ein Beispiel nennen, bei dem diese Verknüpfung einen echten Mehrwert schafft?

Ein gutes Beispiel ist die Verbindung von gebäudebezogenen Daten mit Informationen aus dem direkten Wohn- und Nutzungskontext. In einem vermieteten Objekt kann es etwa sinnvoll sein, Daten aus der Gebäudehülle oder aus technischen Systemen mit nutzerseitigen Angaben (z.B. von Mieter:innen oder Mitarbeiter:innen eines Unternehmens und des mietenden Unternehmens selbst) oder bestimmten Verbrauchsinformationen zusammenzubringen, sofern dies für eine konkrete Anwendung erforderlich ist und die entsprechenden Zustimmungen vorliegen. 

Erst dadurch lassen sich bestimmte Dienste präziser entwickeln, etwa zur Energieeinsparung, zur Komfortverbesserung oder zur Erkennung von Auffälligkeiten im Betrieb. Entscheidend ist: Solche Anwendungen brauchen nicht einfach nur mehr Daten, sondern die passende, legitimierte und nachvollziehbare Kombination von Daten – zumeist aus verschiedenen Quellen und über Organisations- und Eigentumsgrenzen hinweg. Genau hier setzt COMET an. 

Wie sorgt COMET dafür, dass aus Datennutzung kein Kontrollverlust, sondern Vertrauen entsteht?

Vertrauen entsteht vor allem dann, wenn Datennutzung transparent, nachvollziehbar und zweckgebunden organisiert wird. COMET setzt deshalb nicht auf ein undurchsichtiges Datensammeln und unkontrolliertes Datenteilen, sondern auf eine Architektur, in der einzelne Akteure (z. B. Unternehmen, Nutzer:innen, Mitarbeiter:innen) ihre Daten gezielt verwalten und freigeben können. Instrumente wie die Consent Registry und weitere Dienste zur strukturierten Datenbereitstellung helfen dabei, diese Prozesse kontrollierbar und auch langfristig nachvollziehbar zu machen. 

Wichtig ist dabei auch, dass die Qualität und Verarbeitbarkeit der Daten für die Teilnehmer im Ökosystem verbessert wird, ohne die Datensouveränität der Datenbesitzer aufzugeben. Damit verbindet COMET zwei Dinge, die oft gegeneinander ausgespielt werden: eine hohe Nutzbarkeit für innovative Dienste und zugleich eine klare Governance für den Umgang mit den Daten, da Daten spezifisch zwischen einzelnen Akteuren geteilt werden. 

Welche Perspektive eröffnet COMET für die Zukunft von Smart Living in Deutschland und Europa? 
 
COMET zeigt, dass sich Innovation, Datensouveränität und europäische Werte nicht ausschließen, sondern produktiv verbinden lassen. Wenn es gelingt, private Endnutzer:innen, Organisationen und ihre Mitarbeiter:innen sinnvoll in einen Datenraum einzubinden und gleichzeitig Interoperabilität, Transparenz und Kontrolle sicherzustellen, dann entsteht eine ganz neue Basis für digitale Dienste im Gebäudebereich und für souveränen Datenaustausch zwischen einzelnen Mitgliedern im Ökosystem. 

Das ist nicht nur für einzelne Anwendungen interessant, sondern für die Weiterentwicklung des gesamten Smart-Living-Ökosystems. Unternehmen erhalten Zugang zu nutzbaren Daten für neue Dienste, Nutzerinnen und Nutzer behalten die Kontrolle, und der Datenraum gewinnt insgesamt an Attraktivität und Reichweite. Gerade für Deutschland und Europa liegt darin eine strategische Chance, weil so digitale Wertschöpfung auf einer offenen und verantwortungsvollen Grundlage aufgebaut werden kann. 

Artikel im Audio-Format:

Redaktion:

Ilka

 Klein

Kategorie:

COMET

Bleiben Sie informiert über die neuesten Entwicklungen rund um SmartLivingNEXT:

SmartLivingNEXT highlight marker

Zentrale Dokumente zu SmartLivingNEXT

Das Whitepaper enthält die Leitlinie und den Referenzrahmen für die künftige technische Entwicklung des SmartLivingNEXT Dataspaces und der angestrebten Governance-Struktur. Es entstand unter Mitwirkung der Teams von DFKI, der Forschungsvereinigung Elektrotechnik beim ZVEI e.V., Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und Materna Information & Communications SE. Sie können sich das Whitepaper als PDF zusenden lassen. Kontaktieren Sie dazu unser Projektbüro unter projektbuero@smartlivingnext.de.

Das Dokument versteht sich als strukturierende Investorenperspektive und Orientierungsrahmen, nicht als finaler Businessplan und analysiert die möglichen Rollen potenzieller Investoren. Es entstand unter Mitwirkung von Michael Schidlack, Forschungsvereinigung Elektrotechnik beim ZVEI e.V., Dr. Rahild Neuburger, Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und Lars Thomsen, future matters AG. Sie können sich das Dokument als PDF zusenden lassen. Kontaktieren Sie dazu unser Projektbüro unter projektbuero@smartlivingnext.de.

Das Dokument erläutert im ersten Teil (Governance & Organisation) SmartLivingNEXT als föderiertes Datenökosystem und beschreibt die Rollen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungslogiken. Der zweite Teil (technische Architektur & Datenraum) beschreibt, wie diese Governance technisch umgesetzt wird. Es entstand unter Mitwirkung von Michael Schidlack, Forschungsvereinigung Elektrotechnik beim ZVEI e.V., Dr. Rahild Neuburger, Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und Fanni Vespermann, Materna Information & Communications SE. Sie können sich das Dokument als PDF zusenden lassen. Kontaktieren Sie dazu unser Projektbüro unter projektbuero@smartlivingnext.de.

Logo Bundesministerium für. Forschung, Technologie und Raumfahrt

nach oben springen