SmartLivingNEXT ist das erste digitale Ökosystem, das eine einfache Datenverfügbarkeit und Datennutzung für wohn- oder wohnähnliche Umgebungen ermöglichen will. Herr Nolte, was hat Sie an diesem Konzept überzeugt?

Der umfassende Ansatz von SmartLivingNEXT bietet allen Stakeholdern Mehrwerte. So werden nicht nur einzelne Anwendungen, Systeme oder Wohngebäude zusammengeführt, es entsteht zugleich ein Ökosystem, das die Grundlage für neue Geschäftsmodelle bilden kann. Außerdem finde ich es gut, dass ethische Gesichtspunkte, die in Diskussionen häufig eine untergeordnete Rolle spielen, neben technologischen Themen berücksichtigt und im Konzept integriert werden.

 

Im Technologieprogramm wird am geteilten Datenraum geforscht, in dem vertrauenswürdige Partner ihre Daten einander zur Verfügung zu stellen. Inwiefern wird die Entwicklung von geteilten Datenräumen im Wohngebäudebereich bei den Forschungsaktivitäten von Phoenix Contact berücksichtigt?

Ein geteilter Datenraum ist ein wichtiges Zukunftsthema, das in unseren Entwicklungen eine relevante Rolle einnimmt. Use Cases können die integrale Planung oder der Inbetriebnahmeprozess von gebäudetechnischen Anlagen sein. Sichere, geteilte Datenräume und strukturierte Daten im Allgemeinen sind die Basis zur Erhöhung der Effizienz. Es können neue Geschäftsmodelle entstehen, zum Beispiel bei der Vergabe und Ausführung von Wartungsleistungen oder bei der Bewertung von technischen Anlagen. Diese weisen unter dem Strich das Potenzial der CO2-Reduktion auf und ermöglichen so einen effizienteren und auch kostengünstigeren Betrieb von Gebäuden. Somit ermöglichen geteilte Datenräume die Steigerung der Effizienz und die Schonung der Ressourcen. 

Phoenix Contact beteiligte sich bei ForeSight bereits als assoziierter Partner. Welche Erkenntnisse konnte Ihr Unternehmen aus dem Verbundprojekt gewinnen und wie sind diese in die Forschungsaktivitäten oder Produktentwicklung eingeflossen?

Im Rahmen der assoziierten Partnerschaft bei ForeSight wurden wir regelmäßig über den aktuellen Stand des Verbundforschungsprojekts informiert und konnten uns auf diversen größeren und kleineren Events mit Ansprechpartnern aus dem Forschungsprojekt vernetzen. Dort haben wir viele Gespräche geführt, die uns insbesondere gezeigt haben, dass in Bezug auf die eingesetzte Technik in Gebäuden das Thema Nachhaltigkeit eine wichtige Anforderung ist. Auch ist es wichtig, dass die vielfältig erhobenen Daten in einem Gebäude auch an irgendeinem Ort zusammenfließen müssen. Dies war ein Impuls für die Entwicklung eines neuen Produkts. Es ist eine Art „Datenkonzentrator“ bzw. ein neuartiges Steuerungssystem für Gebäude- und Raumautomation. Dieses System orientiert sich einerseits am Cradle-to-Cradle-Prinzip, wurde also nachhaltig produziert. Technologisch verfügt es über eine Hybridfunktion, mit der im Markt verbreitete KNX-TP-Kommunikation in ein IoT-Netzwerk integriert werden kann. Da es alle wichtigen Protokolle der Gebäudeautomation unterstützt, kann es eine zentrale Schnittstelle zwischen dem Gebäude und einem Dataspace sein.

Beabsichtigen Sie diese Entwicklung künftig auch im Rahmen von SmartLivingNEXT einzusetzen?

Die Entwicklung eignet sich, um so ein Konzept im Rahmen von SmartLivingNEXT weiter zu erforschen. Wir versprechen uns davon, weitere Impulse und Rückmeldungen aus der Applikation zu erhalten, um die Erkenntnisse kontinuierlich in die Weiterentwicklungs-Roadmap des Steuerungssystems zu integrieren. Darüber hinaus sind wir davon überzeugt, dass im Speziellen in der Sanierung von Bestandsimmobilien so eine Idee zukünftig Ihre Stärken ausspielen wird. Denn der Vorteil des SmartLivingNEXT Ökosystems ist die erhöhte Effizienz beim Einsatz zur Wartung und Instandhaltung in den Objekten. Starre Wartungspläne könnten durch intelligente und bedarfsorientiere Konzepte ersetzt werden. Das wollen wir mit passender Hardware aus unserem Portfolio unterstützen.

In welcher Form hat der Einsatz von Künstlicher Intelligenz Einzug bei Phoenix Contact erhalten?

Wir haben schon früh erkannt, dass Künstliche Intelligenz ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung von Smart-Living-Services ist. In unserem Smart Building in Bad Pyrmont „leben“ wir digitale Trends wie Building IoT/Gebäudeautomatisierung, Facility Management 4.0 und BIM. Dabei nutzen wir KI vor allem für die Analyse und Optimierung von Datenströmen, die aus verschiedenen Sensoren, Applikationen und Maschinen im Building-Automation-Kontext stammen. So können wir beispielsweise das Energiemanagement verbessern, die Sicherheit erhöhen oder den Komfort steigern. Gerade die generative KI eröffnet uns vielfältige Einsatzmöglichkeiten innerhalb der Phoenix Contact Gruppe in Produktion und Administration, die Geschwindigkeit und Bereitschaft zur Änderung erfordert und uns viele Chancen eröffnet.

Die Unternehmenskultur und -identität von Phoenix Contact richtet sich nach einem starken Wertekosmos aus, der beispielsweise auch die Vision der All Electric Society berücksichtigt. Was kann man sich darunter vorstellen und welche Ziele lassen sich daraus ableiten?

Als Mitgliedsunternehmen im ZVEI unterstützen wir die Vision der All Electric Society. Zusammen mit unseren Partnern und Kunden wollen wir dieses Zukunftsbild umsetzen, um so einen nachhaltigen Beitrag für eine lebenswerte Welt zu schaffen. Diese Vision beschreibt, dass die Gesellschaft sich vollständig auf Basis regenerativ erzeugter Primärenergie versorgt. Sie setzt darauf, dass Innovationen stattfinden und wir hier einen Beitrag leisten. Vor diesem Hintergrund forschen und entwickeln wir in Technologiefeldern mit Spezialisten aus unserem Partner- und Kundennetzwerk und natürlich in enger Zusammenarbeit mit Hochschulen in Forschungsprojekten.

Unser Unternehmensziel ist, nachhaltiges Wachstum durch kontinuierliche Weiterentwicklung unseres Produkt- und Lösungsportfolios zu erreichen. Hierbei betrachten wir nicht nur das singuläre Produkt. Von der Planung bis zum Betrieb technischer Anlagen und deren Infrastrukturen unserer Kunden – wir sehen immer den systemischen Zusammenhang von Produkten und Softwarelösungen, die die Prozesse optimieren.

Herr Nolte, wir bedanken uns für das Gespräch.

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