SmartLivingNEXT-Konferenz 2026: Das Ökosystem steht – jetzt geht es in den Realbetrieb! 

27. Mai 2026

Lesedauer:

19 Minuten

Mehr als 150 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Forschung, Digitalwirtschaft, Wohnungswirtschaft, Energie, Gesundheit und Pflege kamen am 19. Mai 2026 im Forum Digitale Technologien in Berlin zusammen, um die nächsten Schritte zur Umsetzung der notwendigen Infrastruktur der Gebäudedigitalisierung zu beschließen. Bereits beim morgendlichen Networking wurde deutlich: SmartLivingNEXT ist längst mehr als ein Forschungsprojekt. Der Lebensraum und Gesundheitsstandort Wohnung benötigt mehr als einzelne Anwendungen. Interoperabilität, rechtssichere Datenräume, tragfähige Geschäftsmodelle und eine gemeinsame Infrastruktur für neue digitale Services werden zur entscheidenden Grundlage für die nächste Stufe der Gebäudedigitalisierung.

Auf der SmartLivingNEXT-Konferenz im Forum Digitale Technologien in Berlin diskutierten heute Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Digitalwirtschaft, Wohnungswirtschaft, Industrie, Handwerk und Forschung, wie der Schritt von der Forschung in den Markt gelingen kann und welche Rahmenbedingen erforderlich sind, damit aus technologischen Entwicklungen belastbare Anwendungen und tragfähige Geschäftsmodelle werden.

Zum Auftakt der Veranstaltung begrüßte Michael Schidlack, Principal Researcher bei Forschungsvereinigung Elektrotechnik (FE) beim ZVEI e. V. und Konsortialleitung im SmartLivingNEXT Leitprojekt, die Gäste und ordnete die Bedeutung des Technologieprogramms in den Kontext der digitalen Transformation des Gebäudesektors ein. „Wir haben mit SmartLivingNEXT bewiesen, dass interoperable Datenräume im Gebäudesektor funktionieren können, und zwar rechtsssicher, skalierbar und herstellerübergreifend. Jetzt beginnt die entscheidende Phase: der Übergang vom Forschungsprojekt in den Realbetrieb“, erklärte Schidlack. 

Diskutierten auf der SmartLivingNEXT-Konferenz im Forum Digitale Technologien in Berlin über den Start in den Realbetrieb: Ute Bernhardt, Leiterin des Referats Künstliche Intelligenz im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, Thomas Jarzombek, Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, Michael Schidlack, Principal Researcher bei der Forschungsvereinigung Elektrotechnik beim ZVEI e. V. und Projektleitung des SmartLivingNEXT Leitprojekts, Dr. Alexandra-Gwyn Paetz, Abteilungsleiterin Technologische Souveränität & Innovation, Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), Matthias Szymansky, Kompetenzzentrumsleiter Analytics & AI bei Materna Information & Communications SE, Filip Milojkovic, Teamleiter Data Management & AI bei Materna Information & Communications SE (v. l.).

Dr. Alexandra-Gwyn Paetz, Abteilungsleiterin Technologische Souveränität & Innovation, Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), betonte in ihrem Grußwort die strategische Bedeutung des vom BMFTR geförderten Technologieprogramms: „SmartLivingNEXT zeigt, wie sich Künstliche Intelligenz (KI) im Gebäudesektor im Einklang mit nationalen und europäischen Vorgaben sicher und vertrauenswürdig in die Anwendung bringen lässt. Gerade für den Mittelstand entstehen so neue Chancen, KI-basierte Lösungen auf einer gemeinsamen, interoperablen Grundlage zu entwickeln und zu skalieren. Für Anwender ist das praxistauglich, innovativ und mit direktem Mehrwert verbunden. Damit stärken wir die Innovationskraft und technologische Souveränität in Deutschland und Europa“, erklärte Paetz. Darüber hinaus hob sie die Bedeutung vertrauenswürdiger Technologien hervor: „Innovation braucht Vertrauen. Vertrauen in die Technologie, Vertrauen in die Sicherheit. Vertrauen in die Verlässlichkeit der Zusammenarbeit und in die langfristige Perspektive.“ 

Thomas Jarzombek, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, verwies auf die Potenziale souveräner Datenräume für Unternehmen und den Standort Deutschland. „SmartLivingNEXT macht deutlich, dass Datensouveränität, Interoperabilität und praktische Anwendbarkeit zusammengehen können. Jetzt geht es darum, aus der nachgewiesenen Machbarkeit einen geordneten Übergang in den Realbetrieb und ein europäisches Datenökosystem zu machen. Neben den direkten Nutzeffekten für Unternehmen, die insbesondere in Kostenersparnissen und Chancen für neuartige innovative Geschäftsmodelle liegen, können souveräne, föderierte Datenräume einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung von Resilienz und digitaler Souveränität leisten. Beides wird vor dem Hintergrund der geopolitischen Entwicklungen immer wichtiger. Entscheidend ist, dass Unternehmen die entwickelten Strukturen als Chancen nutzen können und vor allem auch nutzen wollen“, so Jarzombek. Gleichzeitig beschrieb er SmartLivingNEXT als potenzielle Plattform für ein zukünftiges Smart-Living-Ökosystem: „SmartLivingNEXT kann für Smart Living das leisten, was der App Store für das iPhone geleistet hat: als Plattform und Marktplatz einzelne Anwendungen zu einem integrierten Ökosystem verbinden.“ 

Zukunftsimpuls: Das intelligente Gebäude als lernendes System 

Im anschließenden Zukunftsimpuls skizzierte Lars Thomsen, Gründer und Chief Futurist der future matters AG und weltweit führender Zukunftsforscher, mögliche Entwicklungen des Smart Living-Marktes der kommenden Jahre. Im Mittelpunkt stünden lernfähige Gebäude, KI-gestützte Assistenzsysteme, dezentrale Energiesysteme und vernetzte Quartiere. „Das Zuhause der Zukunft wird nicht nur energieeffizient sein. Es wird lernfähig, adaptiv und vernetzt agieren“, erklärte Thomsen. Europäische Unternehmen sollten sich bewusst machen, dass die kommenden Jahre nicht linear verlaufen werden. Vielmehr gäbe es zahlreiche Trendbrüche, Disruptionen in Technologien und Geschäftsmodellen, aber auch enorme Chancen für diejenigen, die diese Veränderungen schneller verstehen als die anderen. Energie, Mobilität, Gebäude und Services würden zu einem einzigen Markt zusammenwachsen, der durch Datenräume, KI und Edge-Intelligenz definiert werde. Die Unternehmen, die jetzt begännen, sich in diese neuen vernetzten Ökosysteme hineinzuentwickeln, würden die Standards setzen, an denen andere sich orientieren müssten. 

Entscheidend sei, schnell zu lernen, mutig zu experimentieren und den eigenen Horizont konsequent in Richtung Vernetzung zu erweitern. Die Zukunft gehöre jenen Organisationen, die sich als Teil eines lernenden Systems verstehen. Erfolgreich würden nicht diejenigen sein, die abwarten, bis sich Märkte konsolidieren, sondern die, welche früh kontextfähig werden und verstehen, wie Gebäude, Energie, Mobilität, Daten und Services miteinander verschmelzen. Die wichtigste Entscheidung laute daher: nicht zögern, sondern gestalten. Wer heute den Kontext nicht aktiv mitdefiniere, verliere morgen seine Relevanz in einem Markt, der stärker von Interoperabilität als von individuellen Produkten geprägt sein werde. 

Von der Vision zum autonomen Gebäude 

Im Vortrag „SmartLivingNEXT – Von der Ausgangsvision in die reale Welt“ zeigte Michael Schidlack, wie sich SmartLivingNEXT seit 2023 von einer technologischen Vision zu einem funktionierenden Ökosystem entwickelt hat. Im Zentrum seiner Präsentation stand das Zielbild des autonomen Gebäudes. Gebäude sollten künftig in der Lage sein, sich selbst zu optimieren, Wartungsbedarfe frühzeitig zu erkennen, Energieflüsse intelligent zu steuern und Berichtspflichten automatisiert vorzubereiten. Gleichzeitig sollten sie Daten verdichten und anonymisieren, Quartiere und Energienetze unterstützen sowie digitale Services für Bewohnerinnen und Bewohner bereitstellen. „Das intelligente Gebäude der Zukunft ist kein isoliertes technisches System mehr. Es wird zu einem aktiven Bestandteil eines vernetzten Daten- und Serviceökosystems“, erklärte Schidlack. 

Er machte deutlich, warum diese Infrastruktur notwendig ist: Bestehende Systemwelten müssten integriert, zustimmungsbasierte und rechtlich abgesicherte Datennutzung ermöglicht und die Datengrundlage für KI-basierte Services geschaffen werden. SmartLivingNEXT setze dabei bewusst nicht auf eine zentrale Plattform, sondern auf föderierten Datenaustausch, bei dem Daten unterschiedlicher Rechteinhaber souverän nutzbar blieben. 

Ein zentrales Ergebnis des Technologieprogramms sei das sogenannte Drei-Level-Modell: 

  • Level 1 beschreibt das intelligente Gebäude mit Sensorik und Gebäudeautomation. 
  • Level 2 steht für den digitalen Gebäudebetrieb und gebäudeübergreifende Services. 
  • Level 3 betrachtet Gebäude als Teil größerer Infrastrukturen wie Quartieren oder Energiesystemen. 
     

Für Schidlack lag genau darin der entscheidende Fortschritt: „Nicht der einzelne Use Case steht im Mittelpunkt, sondern die strukturierte Verbindung der Ebenen. Erst wenn Daten über diese Level hinweg nutzbar werden, entstehen echte Skalierungseffekte und neue Geschäftsmodelle. SmartLivingNEXT ist die notwendige Antwort auf die wachsende Komplexität intelligenter Gebäude.“ Gleichzeitig brachte er die Perspektive auf neue datenbasierte Wertschöpfung auf den Punkt: „SmartLivingNEXT zeigt, wie aus Gebäudedaten neue Services, neue Märkte und eine Plattform entstehen können, die Energie, Wohnen, Gesundheit und Pflege intelligent miteinander verbindet.“ 

Technologische Grundlagen für den Übergang in den Realbetrieb 

Filip Milojkovic erläuterte in seiner Funktion als Teamleiter Data Management & AI bei Materna sowie als Projektleiter im Leitprojekt SmartLivingNEXT die technologischen Grundlagen und Zukunftspotenziale des Datenökosystems. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Wohnen, Energieversorgung und Gesundheitsdienstleistungen künftig sicher, interoperabel und souverän miteinander verknüpft werden können. Ziel von SmartLivingNEXT sei es, digitale Souveränität in Deutschland und Europa zu stärken und eine Grundlage für souveräne KI-Services für Bewohnerinnen und Bewohner, Wohnungsunternehmen, Kommunen, Energieversorger und weitere Marktteilnehmer zu schaffen. 

Milojkovic verdeutlichte, dass SmartLivingNEXT eine zentrale Herausforderung des Smart-Living-Marktes adressiere: Bereits heute entstünden große Mengen relevanter Daten durch Smart Meter, IoT-Sensorik, Smart-Home-Systeme oder digitale Assistenzlösungen. Diese verblieben jedoch häufig in isolierten Einzelsystemen. Der SmartLivingNEXT-Datenraum solle diese Datensilos überwinden, ohne Daten zentral zu sammeln oder bestehende Fachsysteme zu ersetzen. Stattdessen ermögliche die Infrastruktur einen sicheren, zweckgebundenen und interoperablen Datenaustausch zwischen bestehenden Systemen. 

Der entscheidende Unterschied zu proprietären Plattformansätzen liege dabei in der Architektur: 

  • Föderiertes System statt zentraler Plattform 
  • Datenhoheit verbleibt beim Datenanbieter 
  • Gemeinsame Governance-Regeln statt plattformspezifischer AGB 
  • Wertschöpfung bleibt bei Service- und Datenanbietern 

Technisch basiert das Konzept auf einer dezentralen Datenhaltung: Die Daten verbleiben jeweils in ihrer Ursprungsumgebung, können jedoch über gemeinsame semantische Konzepte interoperabel genutzt werden. Andere Akteure erhalten ausschließlich kontrollierten und zweckgebundenen Zugriff – etwa für Analyse-, Energie- oder Assistenzservices. Vertrauen entsteht über klar definierte Identitäts- und Zertifikatsmodelle, Rollen- und Vertragsmechanismen sowie maschinenlesbare Regeln zur Datennutzung. 

Dabei machte Milojkovic deutlich, dass der eigentliche Mehrwert des Datenraums aus der intelligenten Verknüpfung unterschiedlicher Datenquellen entsteht: „Der praktische Nutzen entsteht dort, wo Daten aus unterschiedlichen Bereichen sinnvoll zusammengeführt werden. Energie braucht Echtzeit- und Verbrauchsdaten für effizientere Steuerung. Pflege braucht Kontextdaten, um Bedarfe früher zu erkennen. Die Wohnungswirtschaft steht häufig an der Schnittstelle, will aber nicht selbst Softwarehaus, Energieversorger oder Pflegedienstleister werden. Genau hier trennt der Datenraum die Rollen sauber und ermöglicht dennoch Zusammenarbeit.“ 

Als technischer Föderator stellt Materna eine europäische Dataspace-Infrastruktur auf Kubernetes-Basis bereit. Über den SmartLivingNEXT-Dataspace-Blueprint sollen Unternehmen künftig niedrigschwellig in den Datenraum einsteigen und eigene Anwendungsfälle integrieren können. Auf der Abschlusskonferenz präsentierte Materna dazu erste technologische Bausteine und Demonstratoren für den Übergang von der Forschung in den Realbetrieb – darunter ein Energieeffizienzdatenportal sowie die SmartLivingNEXT-App. Während das Portal insbesondere Kommunen und Länder bei KI-gestützten Berichtspflichten unterstützt, schafft die App Transparenz über Energieverbräuche und Kosten und unterstützt Mieterstrom- sowie Energiesparmodelle in Mehrfamilienhäusern. 

„SmartLivingNEXT ist keine neue zentrale Plattform, die alle Daten an sich zieht“, erklärte Milojkovic. „Der Datenraum schafft eine Infrastruktur, über die bestehende Systeme ihre Daten sicher, zweckgebunden und interoperabel austauschen können.“ Ziel sei es nun, den Übergang von spezialisierten Einzellösungen hin zu einem skalierbaren „Dataspace-as-a-Service“ voranzutreiben und damit eine standardisierte sowie marktfähige Infrastruktur für digitale Smart-Living-Dienste zu schaffen. 

Professor Dr. Christian Schlicht, Experte für Daten und Künstliche Intelligenz (KI) in der Bau- und Immobilienwirtschaft sowie dem Facility Management und Geschäftsführer bei der The Real Insight GmbH, ordnete die Potenziale agentischer KI-Systeme für die Immobilienwirtschaft ein. „Die Immobilienwirtschaft steht vor einem fundamentalen Wandel: Datenräume werden zur Infrastruktur für digitale Wertschöpfung“, erklärte Schlicht. SmartLivingNEXT zeige, dass ein herstellerneutrales und KI-fähiges Datenökosystem für Wohngebäude technisch und regulatorisch funktioniere. Nun komme es darauf an, die entwickelten Technologien und Governance-Strukturen in den Markt zu skalieren, offene Standards zu etablieren und tragfähige digitale Services aufzubauen. „Die nächste Phase ist der Markt. Europäische Anbieter können dabei eine führende Rolle übernehmen, wenn jetzt die richtigen Infrastrukturentscheidungen getroffen werden.“ 

Marktfähige Services aus dem SmartLivingNEXT-Ökosystem 

Im weiteren Verlauf der Konferenz präsentierten die Satellitenprojekte BIM-4-CARE, COMET, DuITeasy, ExpliCareNEXT, FAME4ME, GAiST und das Leitprojekt ForrsightNEXT ihre Ergebnisse in einer gemeinsamen Diskussionsrunde unter dem Motto: „Marktfähige Services im SmartLivingNEXT-Ökosystem – die Rolle des Datenraums für die Skalierung der Services“ und erläuterten anhand konkreter Anwendungen, wie datenbasierte Services aus einem gemeinsamen Datenraum entstehen können. Die Themenpalette reichte dabei von pflegegerechter Wohnraumanpassung über digitale Assistenzangebote und präventive Risikoerkennung bis hin zu Energiedatenportalen und dynamischen Strompreisen. Darüber hinaus wurden KI-Agenten, XR-Anwendungen und neue datenbasierte Services für Energie, Wohnen, Gesundheit und Pflege vorgestellt. 

Vom Prototyp zum Betrieb: Governance, Akzeptanz und Geschäftsmodelle 

Einen weiteren wichtigen Impuls setzte Professor Dr. Johann Kranz, LMU München, mit seinem Vortrag „Vom Prototyp zum Betrieb – Stellschrauben und Herausforderungen für Akzeptanz, Governance und Geschäftsmodelle“. Kranz machte deutlich, dass technologische Machbarkeit allein nicht ausreiche, um digitale Ökosysteme erfolgreich in den Markt zu überführen. Entscheidend seien Vertrauen, klare Governance-Strukturen und wirtschaftlich tragfähige Mehrwerte für alle Beteiligten. „Der Übergang vom Forschungsprojekt in den Markt entscheidet sich nicht allein an der Technologie, sondern an Akzeptanz, Verantwortlichkeiten und nachhaltigen Geschäftsmodellen“, erklärte Kranz. 

Besonders im Smart-Living-Umfeld spiele Datensouveränität eine zentrale Rolle. Nutzerinnen und Nutzer müssten nachvollziehen können, wie Daten verwendet werden und welchen konkreten Nutzen digitale Services im Alltag bieten. „Menschen teilen Daten dann, wenn Transparenz, Kontrolle und ein erkennbarer Mehrwert zusammenkommen“, so Kranz weiter. Darüber hinaus betonte er die Bedeutung föderierter Strukturen für zukünftige digitale Ökosysteme: „Föderierte Datenräume schaffen die Grundlage dafür, Innovation, Wettbewerb und Datensouveränität miteinander zu verbinden.“  

Branchen-Panel: Der Markt rückt in den Mittelpunkt 

Ein Höhepunkt der Veranstaltung war das Branchen-Panel “Wie gelingt der Sprung in den Markt?” unter Moderation von Bastian Elsner, Geschäftsführer der Elsner Elektrotechnik GmbH. Mit präzisen Nachfragen, klarer Struktur und großem Praxisbezug führte er durch die Diskussion rund um Marktmechanismen, Governance und die zukünftige Betreiberstruktur von SmartLivingNEXT. Dabei gelang es ihm, die unterschiedlichen Sichtweisen aus Industrie, Wohnungswirtschaft, Handwerk und Verbänden zusammenzuführen und die zentralen Herausforderungen für den Übergang in den Realbetrieb sichtbar zu machen. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Industrie, Wohnungswirtschaft, Handwerk und Verbänden diskutierte das Panel darüber, wie der Übergang vom Forschungsprojekt in den Markt gelingen konnte. Besonders deutlich wurde hier, dass SmartLivingNEXT kein neues Protokoll und keine zentrale Datensammelstelle ist, sondern eine föderierte, regelbasierte Dateninfrastruktur, die bestehende Systeme verbindet und Daten dort lässt, wo sie entstehen. „Michael Schidlack bringt es auf die Formel: SmartLivingNEXT baut die Straße, gefahren wird durch Anwendungen und Services. Wer das einmal verstanden hat, sortiert die ganze Diskussion anders ein“, so Elsner. 

Darüber hinaus wurde deutlich, dass die eigentliche Marktverschiebung nicht allein in der technischen Interoperabilität liege, sondern vor allem im späteren Betrieb, in Geschäftsmodellen und Governance-Strukturen. Wer SmartLivingNEXT nur als technisches Thema einsortiert, verfehlt den eigentlichen Hebel. Auch die Panelteilnehmer betonten die Bedeutung interoperabler Datenräume für die nächste Entwicklungsstufe der Gebäudedigitalisierung. 

Wolfgang Weber ordnete den SmartLivingNEXT-Ansatz im Branchenkontext ein: „SmartLivingNEXT ist ein relevanter Strukturansatz für die nächste Stufe der Gebäudedigitalisierung. Technische Interoperabilität bleibt wichtig, reicht aber nicht aus. Entscheidend ist die rechtssichere, zustimmungsbasierte und wirtschaftlich tragfähige Verknüpfung verteilter Daten.“ Mike Lange von der Smart Home Initiative Deutschland e.V. verwies auf die Bedeutung interoperabler Lösungen: „Der Markt wartet nicht mehr auf Einzelprodukte, sondern auf integrierte Services mit echtem Mehrwert.“ Auch Sven Schmittbüttner von der Unternehmensgruppe Krebs ordnete die Entwicklungen praxisnah ein: „Gebäude werden zunehmend zu intelligenten Serviceplattformen. Entscheidend ist jetzt, dass Innovationen schnell in den operativen Alltag überführt werden.“ 

Demonstratoren-Ausstellung: SmartLivingNEXT zum Anfassen 

Am Nachmittag rückte die Demonstratoren-Ausstellung in den Mittelpunkt. Unter dem Motto „Erleben – Ausprobieren – Austauschen“ testeten Besucherinnen und Besucher die entwickelten Anwendungen unmittelbar vor Ort. Die Projektpartner zeigten an insgesamt sieben Demonstratoren, wie konkrete Services aus einem gemeinsamen Datenraum entstehen können. Präsentiert wurden unter anderem KI-gestützte Schritt-für-Schritt-Unterstützung für Pflegekräfte, digitale Assistenzangebote für betreutes Wohnen, präventive Risikoerkennung, Energieportale mit Live-Verbrauchsvisualisierung sowie KI-Copiloten und XR-Anwendungen für die Gebäude- und Energiewelt von morgen. 

BIM-4-CARE entwickelte ein KI-basiertes Gebäudemodell zur pflegegerechten Umgestaltung häuslicher Wohn- und Lebensumgebungen. COMET zeigte, wie souveränes und sicheres Datenteilen zwischen Haushalten und Anbietern von Smart-Living-, Energie- und Pflegeservices innerhalb eines Datenraums funktionieren konnte. DuITeasy entwickelte Assistenzservices von Notfallerkennung bis Hitzeschutz für betreute Wohnformen und Quartiere. Im Projekt ExpliCareNEXT entstand eine KI-basierte Schritt-für-Schritt-Unterstützung für ungelernte Pflegekräfte in der häuslichen Pflege. FAME4ME machte Energiedaten über Live-Verbrauchsvisualisierungen und dynamische Strompreise unmittelbar nutzbar. Das Leitprojekt ForeSightNEXT schuf die strukturellen und organisatorischen Grundlagen des gesamten SmartLivingNEXT-Ökosystems. GAiST demonstrierte präventive Risikoerkennung durch Vital- und Hausautomationsdaten für selbstbestimmtes Leben im Alter. 

Der Realbetrieb kann beginnen! 

Zum Abschluss der Konferenz zog Michael Schidlack ein positives Fazit: „SmartLivingNEXT hat heute gezeigt, was gemeinsam erreicht wurde: ein souveränes, rechtssicheres Datenökosystem für Smart Living, das technische Interoperabilität, Governance und konkrete Anwendungen verbindet. Der nächste Schritt ist entscheidend: die Überführung in den Realbetrieb. Damit geht es nicht nur um ein Projekt, sondern auch um die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland und die technologische Souveränität Europas. Dafür wurden heute wichtige Meilensteine gelegt“, so Schidlack. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Konferenz wurde deutlich: Die Grundlagen für ein offenes europäisches Smart Living-Ökosystem stehen. Jetzt beginnt die Skalierung in den Markt. 

Redaktion:

Ilka

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Zentrale Dokumente zu SmartLivingNEXT

Das Whitepaper enthält die Leitlinie und den Referenzrahmen für die künftige technische Entwicklung des SmartLivingNEXT Dataspaces und der angestrebten Governance-Struktur. Es entstand unter Mitwirkung der Teams von DFKI, der Forschungsvereinigung Elektrotechnik beim ZVEI e.V., Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und Materna Information & Communications SE. Sie können sich das Whitepaper als PDF zusenden lassen. Kontaktieren Sie dazu unser Projektbüro unter projektbuero@smartlivingnext.de.

Das Dokument versteht sich als strukturierende Investorenperspektive und Orientierungsrahmen, nicht als finaler Businessplan und analysiert die möglichen Rollen potenzieller Investoren. Es entstand unter Mitwirkung von Michael Schidlack, Forschungsvereinigung Elektrotechnik beim ZVEI e.V., Dr. Rahild Neuburger, Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und Lars Thomsen, future matters AG. Sie können sich das Dokument als PDF zusenden lassen. Kontaktieren Sie dazu unser Projektbüro unter projektbuero@smartlivingnext.de.

Das Dokument erläutert im ersten Teil (Governance & Organisation) SmartLivingNEXT als föderiertes Datenökosystem und beschreibt die Rollen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungslogiken. Der zweite Teil (technische Architektur & Datenraum) beschreibt, wie diese Governance technisch umgesetzt wird. Es entstand unter Mitwirkung von Michael Schidlack, Forschungsvereinigung Elektrotechnik beim ZVEI e.V., Dr. Rahild Neuburger, Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und Fanni Vespermann, Materna Information & Communications SE. Sie können sich das Dokument als PDF zusenden lassen. Kontaktieren Sie dazu unser Projektbüro unter projektbuero@smartlivingnext.de.

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