Gebäude neu gedacht: SmartLivingNEXT verbindet Nutzerfokus und tragfähige Geschäftsmodelle
15. Januar 2026
Lesedauer:
8 Minuten
SmartLivingNEXT zeigt zum Abschluss des vierten Quartals 2025, wie nutzerzentrierte Use Cases und ein zukunftsfähiges Finanzierungsmodell zusammenwirken. So entsteht ein belastbares digitales Ökosystem für die Gebäudewelt mit klarem Fokus auf Nutzen, Praxisnähe und Zukunftsfähigkeit.
Im vierten Quartal hat SmartLivingNEXT entscheidende Fortschritte auf dem Weg zu einem nutzerzentrierten und wirtschaftlich tragfähigen digitalen Gebäudeökosystem erzielt: Die SmartLivingNEXT-App steht erstmals als funktionsfähiger Demonstrator für iOS und Android bereit, zentrale Energie- und Gebäudedaten sind über ein neues Energieeffizienz-Datenportal für Kommunen nutzbar, und mit einem belastbaren Governance- und Finanzierungsmodell liegt die Grundlage für den langfristigen Betrieb des Datenraums vor. Gemeinsam zeigen diese Meilensteine, wie digitale Anwendungen, Datenräume und Geschäftsmodelle zusammenspielen können, um die Digitalisierung von Gebäuden skalierbar und praxisnah voranzubringen.
Eine zentrale Rolle spielte im vierten Quartal die SmartLivingNEXT-App, die weitestgehend fertiggestellt wurde. So wurden im Bereich Energie-Wärme, Warmwasser und Elektrizität alle zentralen Anwendungsoberflächen, die an das Backend angebunden werden, konzipiert. Alle relevanten App-Oberflächen wurden fertiggestellt und durch Nutzertests optimiert. Die App steht inzwischen als Demonstrator für iOS und Android bereit und wurde funktional erweitert, unter anderem um verbesserte Abschlagsberechnungen, eine Stromverbrauchsprognose und weitere Analysefunktionen. Parallel dazu wurden wichtige Meilensteine beim Energieeffizienz-Datenportal (EEDP) erreicht. Gemeinsam mit dem Saarland entsteht hier ein Datenraum-Demonstrator, der Kommunen und Behörden einen zentralen Zugang zu energiebezogenen Gebäudedaten ermöglicht. Neue Analysefunktionen, ein strukturierter Metadatenkatalog sowie KI-gestützte Auswertungen unterstützen die Ableitung konkreter Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz. Darüber hinaus wurden im SmartLivingNEXT-Datenraum die Nutzung synthetischer und realer Gebäudedaten für Prognosen sowie ein neues Redispatch-Konzept, mit dem Netzüberlastungen frühzeitig erkannt und Lastspitzen vermieden werden sollen, weiterentwickelt. Die Erprobung unter realen Bedingungen ist für den weiteren Projektverlauf vorgesehen.
Der ökonomische Unterbau für die digitale Zukunft des Wohnens
Ein weiterer, wichtiger Meilenstein im vierten Quartal war die Erarbeitung eines Verstetigungs- und Finanzierungsmodells für den Betrieb des SmartLivingNEXT-Datenraums durch die LMU München. Empfohlen wird für das SLN-Ökosystem eine GmbH-Struktur als steuernde Instanz, die technische Partner einbindet. Perspektivisch sollen auch Modelle zur Monetarisierung von Daten und Services ermöglicht werden. Die Finanzierung von SmartLivingNEXT ist in mehrere Phasen gegliedert, wobei sowohl öffentliche Fördermittel als auch Beiträge von Gesellschaftern und technischen Betreibern eine zentrale Rolle spielen. In der Forschungsphase (2023 bis 2026) wurde eine Förderung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) in Höhe von 25 Millionen Euro bereitgestellt, die u.a. die Entwicklung des Blueprints, die Erarbeitung einer Governance-Struktur sowie Integrations- und Testumgebungen abdeckt. In der Betriebsphase soll die Finanzierung durch Gesellschafterbeiträge, vertraglich gebundene technische Betreiber und eine mögliche Übergangsfinanzierung durch den Staat, insbesondere im Bereich der Koordination und Infrastruktur erfolgen.
Das von der LMU entwickelte Governance- und Finanzmodell basiert auf einem hybriden Ansatz, der Grundmitgliedsbeiträge und nutzungsabhängige Komponenten kombiniert. Transaktionsgebühren werden zunächst nicht eingeplant, jedoch soll später die Einführung eines Freemium-Modells möglich werden. In der Übergangsphase ist eine öffentliche Unterstützung erforderlich, um den Betrieb zu stabilisieren. Ziel ist es, eine kostendeckende Finanzierung sicherzustellen. In der Betriebsphase soll die Finanzierung durch Mitgliedsbeiträge, Nutzungsgebühren und mögliche Zertifizierungsgebühren ergänzt werden. Den Blueprint hat Materna bereits entwickelt. Dies ist der erste Schritt in Richtung einer europaweiten Skalierung des Projekts.
Stabile Infrastruktur und einfacher Zugang zum Datenraum
Darüber hinaus wurde in Q4/2025 intensiv an einem einheitlichen Datenmodell gearbeitet, das die Grundlage für einen sicheren, transparenten und souveränen Datenaustausch bildet. Verantwortlich für zentrale technische Grundlagen des Datenraums ist Konsortialpartner DFKI, der insbesondere die Beschreibung von Metadaten zu Datenqualität, Herkunft, Schnittstellen und Zugriffsrechten vorantreibt. Auf dieser Basis wurde auch der Prozess zur Erstellung und Verwaltung von Daten-Assets weiterentwickelt und vereinheitlicht.
Parallel dazu lag ein klarer Fokus auf der Stabilisierung und Zukunftsfähigkeit der technischen Infrastruktur. Der Dataspace Blueprint wurde kontinuierlich weiterentwickelt und gezielt optimiert, damit der Datenraum auch nach Projektende ab August 2026 zuverlässig und produktiv betrieben werden kann. Dafür wurden bestehende Softwarekomponenten überprüft, modernisiert und, wo notwendig, durch stabile Alternativen ersetzt. Ergänzend wurden funktionale Konnektoren bereitgestellt, Testdatensätze integriert und konkrete Anwendungsfälle weiterentwickelt.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der einfache Zugang zum Datenraum für neue und bestehende Akteure. Ziel ist es, die Teilnahme so niedrigschwellig und nutzerfreundlich wie möglich zu gestalten. Dazu wurden klare Onboarding-Prozesse definiert und ein Datenraumportal aufgebaut, das künftig zentrale Funktionen wie Kataloge, Services, Asset- und Zugriffsverwaltung bündelt. Ein bereits entwickeltes User Interface dient in sogenannten Previews dazu, die Funktionsweise des Datenraums anschaulich zu vermitteln. Besonderes Augenmerk liegt zudem auf der besseren Auffindbarkeit von Datenangeboten im SmartLivingNEXT-Ökosystem. Föderierte Kataloge wurden technisch zusammengeführt und perspektivisch durch offene Standards wie das Open Source Datenmanagementsystem Comprehensive Knowledge Archive Network (CKAN) ergänzt, um Daten übersichtlich zu strukturieren und leichter auffindbar zu machen. Zusätzlich wurden KI-gestützte Assistenten erfolgreich erprobt, die die Beschreibung und Einstellung von Datenangeboten deutlich vereinfachen und so den souveränen Datenaustausch weiter erleichtern.
Online-Preview zum SmartLivingNEXT-Datenraumportal
In einer kompakten Online-Preview hat Materna gezeigt, wie das Datenraumportal funktioniert, wie einfach der Onboarding-Prozess ist und warum es zur zentralen Grundlage neuer digitaler Anwendungen und Geschäftsmodelle wird. Nutzenden wurden Einblicke in den SmartLivingNEXT-Blueprint als Basis neuer Geschäftsmodelle gegeben, eine effiziente Nutzung und Administration von Daten und Services über das Datenraumportal demonstriert sowie eine interaktive Vorstellung des Onboardings für neue Teilnehmende präsentiert.
Künstliche Intelligenz (KI) für realistische Energiedaten
Im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI) und Semantik bringt das SmartLivingNEXT Leitprojekt mit dem DFKI seine KI-Expertise insbesondere bei der Erzeugung und Nutzung intelligenter Energiedaten ein. Im vierten Quartal 2025 wurde weiter daran gearbeitet, Sprachmodelle gezielt für die Simulation von Haushaltsverhalten einzusetzen. Ziel ist es, realitätsnahe, synthetische Energiedaten zu erzeugen, die für das Training von KI- und Machine-Learning-Modellen genutzt werden können, und zwar ohne auf reale personenbezogene Daten angewiesen zu sein.
Um die Vielfalt der erzeugten Daten zu erhöhen, werden unterschiedliche Haushaltstypen, Bewohnerstrukturen und Gerätekombinationen in die Simulationen einbezogen. So lassen sich verschiedene Nutzungsmuster besser abbilden und die Qualität der synthetischen Daten weiter steigern. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass der Einsatz von Sprachmodellen hierfür sehr gut geeignet ist und weiter ausgebaut werden kann. Parallel dazu wurde die Nutzerinteraktion mit den Systemen vereinfacht: Künftig sollen sich auch komplexe logikbasierte Modelle über natürliche Sprache anpassen lassen. Zudem wurden wichtige Grundlagen für eine Machine-Learning-Entwicklungspipeline im SmartLivingNEXT-Datenraum geschaffen und erste Services integriert. Abgerundet wurde dies durch die Weiterentwicklung einer Stromverbrauchsprognose und eines Nutzerinterfaces, das alle Module prototypisch miteinander verbindet und die Funktionsweise anschaulich darstellt.
SmartLivingNEXT Community wächst stetig
Im SmartLivingNEXT Leitprojekt wurden im vierten Quartal 2025 zwei neue assoziierte Partner aufgenommen: HYPERTEGRITY AG und SmartSpace Consulting. Damit besteht das Leitprojekt derzeit aus acht Konsortial- und 51 assoziierten Partnern.
Redaktion:
Ilka
Klein
Kategorie:
Leitprojekt
SmartLivingNEXT
Bleiben Sie informiert über die neuesten Entwicklungen rund um SmartLivingNEXT: