SmartLivingNEXT auf der Light + Building 2026: Datenräume als Schlüssel für das digitale Gebäude
19. März 2026
Lesedauer:
10 Minuten
Auf der Light + Building 2026 zeigte SmartLivingNEXT, wie ein föderierter Datenraum zum Schlüssel für das digitale Gebäude wird. Welche Chancen ein souveränes, europäisches Datenökosystem für neue Services, Geschäftsmodelle und KI-Anwendungen eröffnet und warum die Branche genau jetzt hinschaut.
Die Märkte für Licht und Gebäudetechnik stehen weltweit im Zeichen technologischer Erneuerung. Elektrifizierung, Digitalisierung und Energieeffizienz prägen Investitionsentscheidungen und treiben neue Projekte im Gebäudesektor voran. Diese Entwicklungen standen im Mittelpunkt der Light + Building 2026, die vom 8. bis 13. März in Frankfurt am Main stattfand. Rund 2.000 Aussteller präsentierten Lösungen für energieeffiziente Gebäude, intelligente Vernetzung und moderne Lichtlösungen. Für viele Unternehmen standen internationale Geschäfte, strategische Partnerschaften und konkrete Projektvorhaben im Mittelpunkt ihres Messeauftritts.
Gerade die intelligente Vernetzung von Daten und Systemen ist eine zentrale Voraussetzung für die Transformation der Branche. Genau hier setzt SmartLivingNEXT an. Am Gemeinschaftsstand des Zentralverbands der Elektro- und Digitalindustrie e. V. (ZVEI) in Halle 12.1 präsentierte das Forschungsprojekt gemeinsam mit Partnern und Satellitenprojekten, wie ein offenes, europäisches Datenökosystem für Gebäude neue Services, Geschäftsmodelle und Mehrwerte ermöglichen kann.
Vortrag im ZVEI-Technologieforum: Mehrwerte schaffen, Investitionen absichern
Ein zentrales Highlight der Messe war der Vortrag im ZVEI-Technologieforum mit dem Titel „Mehrwerte schaffen, Investitionen absichern: Geteilte Datenräume als europäische Alternative zu globalen Plattformen – das Ökosystem für neue, interoperable KI-basierte Services in smarten Wohngebäuden.“
Hier präsentierte Michael Schidlack, Principal Researcher bei der Forschungsvereinigung Elektrotechnik (FE) beim ZVEI e. V. und Konsortialleiter im SmartLivingNEXT Leitprojekt, gemeinsam mit Filip Milojkovic, Teamleiter Data Management & AI bei Materna Information & Communications SE, einem interessierten Fachpublikum, wie ein souveränes, interoperables Datenökosystem für Gebäude entstehen kann und welche Chancen sich daraus für Unternehmen ergeben. Im Mittelpunkt stehe die Idee eines föderierten Datenraums: SmartLivingNEXT ergänze bestehende Systeme der Gebäudetechnik durch eine darüberliegende semantische Dateninfrastruktur. Dadurch könnten Daten aus verschiedenen Anwendungen lokal, regional oder international rechtssicher miteinander verknüpft, aggregiert und – wenn erforderlich – anonymisiert werden. Das funktioniert DSGVO-konform, auch, wenn die Daten unterschiedliche natürliche oder juristische Personen erzeugen.
Durch die gemeinsame Nutzung strukturierter Daten könnten zudem innovative KI-basierte Anwendungen entstehen, die den Betrieb von Gebäuden effizienter, sicherer und komfortabler machen. Ein zentrales Prinzip des SmartLivingNEXT-Ansatzes: Es gäbe keinen dominanten Plattformbetreiber. Stattdessen blieben Daten unter der Kontrolle der jeweiligen Anbieter.
Schidlack betonte, dass SmartLivingNEXT bewusst kein Modell mit einem dominanten Plattformbetreiber verfolge. Daten würden in den Ursprungssystemen und unter der Kontrolle derjenigen verbleiben, denen sie zugeordnet seien oder die zu ihrer Nutzung berechtigt wären. Das bedeute: Datenhoheit bliebe gewahrt. Zugriffe und Nutzungen könnten zustimmungsbasiert, zweckgebunden und nachvollziehbar geregelt werden. Gerade dadurch entstehe ein Ansatz, der nicht nur technologisch tragfähig sei, sondern auch den Anforderungen an Governance, Vertrauen und Datenschutz gerecht werde. Das sei zugleich ein wichtiger Unterschied zu vielen Plattformmodellen. SmartLivingNEXT setze auf Föderierung statt Zentralisierung. Bestehende Systeme würden nicht verdrängt, sondern sinnvoll miteinander verbunden. Dadurch würde der Ansatz insbesondere auch für mittelständische Unternehmen, Wohnungswirtschaft, kommunale Akteure und weitere Marktteilnehmer attraktiv.
„SmartLivingNEXT schafft die Voraussetzung dafür, dass Daten zustimmungsbasiert und regelgeleitet auch dann zusammengeführt und nutzbar gemacht werden können, wenn sie unterschiedlichen natürlichen oder juristischen Personen zugeordnet sind. Genau darin liegt der wesentliche Fortschritt: Nicht nur technische Interoperabilität, sondern eine Datenverknüpfung, die Governance-basiert organisiert und DSGVO-konform abgebildet werden kann. Damit wird das intelligente Gebäude nicht nur digitaler, sondern auch anschlussfähig für neue Formen des sicheren und vertrauenswürdigen Datenaustauschs“, so Schidlack.
Der SmartLivingNEXT-Datenraum: souverän, interoperabel, europäisch
Im zweiten Teil des Vortrags erläuterte Filip Milojkovic in seiner Funktion als Projektleiter bei Materna und Konsortialpartner des SmartLivingNEXT Leitprojekts das Forschungsvorhaben und die damit verbundenen Potenziale von intelligenten Smart-Living-Services für zukünftige Wohn- und Lebensumgebungen. SmartLivingNEXT verfolge das Ziel, Europa mit einem offenen und souveränen Datenökosystem für Gebäude, Energie und smarte Dienste zu stärken. Milojkovic verdeutlichte, wie der Übergang von Insellösungen zu einer interoperablen, KI-gestützten Realität vollzogen wird und wie dies zu echten digitalen Geschäftsmodellen für die Gebäude- und Energiewirtschaft führen kann. Der SmartLivingNEXT-Blueprint zeige nicht nur, wie der technische Betrieb gesichert werde, sondern auch, wie das Projekt die Branche langfristig unabhängiger mache.
Der entscheidende Unterschied zu proprietären Plattformen läge dabei in der Architektur:
- Föderiertes System statt zentraler Plattform
- Datenhoheit bleibt beim Datenanbieter
- Gemeinsame Governance-Regeln statt Plattform-AGB
- Wertschöpfung bei Service- und Datenanbietern
Technisch basiere das Konzept auf einer dezentralen Datenhaltung: Jeder Teilnehmer behielte seine Daten lokal. Andere Akteure würden lediglich kontrollierten Zugriff, etwa für Analyse oder Serviceentwicklung, erhalten, ohne dass Daten beliebig kopiert werden könnten. Vertrauen entstehe über ein klar definiertes Identitäts- und Zertifikatsmodell, Rollen und Verträge sowie maschinenlesbare Regeln zur Datennutzung. Als technischer Föderator stellt Materna eine europäische Dataspace-Infrastruktur auf Kubernetes bereit. Über den Dataspace Blueprint können Unternehmen niederschwellig in den Datenraum einsteigen.
Milojkovic: „Mit SmartLivingNEXT treiben wir die technologische Reife von Ökosystemdiensten gezielt voran. Unser Ziel ist es, bis Herbst 2026 den Übergang von spezialisierten Einzellösungen hin zu einem skalierbaren Dataspace-as-a-Service zu vollziehen. Damit schaffen wir eine standardisierte und marktfähige Infrastruktur, die es ermöglicht, digitale Dienste nahtlos und interoperabel in Smart-Living-Umgebungen zu integrieren. Dieser Schritt ist essenziell, um aus Forschungsergebnissen echte, wirtschaftlich tragfähige Anwendungen zu machen und die Digitalisierung im Smart-Living-Bereich nachhaltig voranzutreiben.“
Satellitenprojekte im Dialog: Vom einzelnen Use Case zum skalierbaren Ökosystem
Am ZVEI-Messestand konnten Besucherinnen und Besucher erleben, wie konkrete Anwendungen aus dem Projektumfeld bereits heute umgesetzt werden. Hier präsentierten drei Satellitenprojekte praxisnahe Anwendungen, die zeigten, wie datenbasierte Services im Wohn- und Gebäudebereich entstehen können. Satellitenprojekte entwickeln eigenständige, anwendungsnahe Lösungen, denken diese jedoch konsequent im Kontext des gemeinsamen SmartLivingNEXT-Datenraums weiter. Sie stehen damit exemplarisch für den Übergang vom isolierten Use Case hin zu einem skalierbaren, investierbaren Ökosystem.
Das Satellitenprojekt BIM-4-Care demonstrierte, wie digitale Gebäudemodelle und Sensordaten genutzt werden können, um barrierefreies und altersgerechtes Wohnen besser zu planen. Dazu gehören unter anderem 3D-Vermessungen von Wohnungen, die eine präzise digitale Gebäudedokumentation ermöglichen, sowie digitale Werkzeuge zur Planung altersgerechter Umbaumaßnahmen inklusive transparenter Kostenkalkulation. Mit BIM-4-CARE soll die Planung des Pflegebedarfs, Umbaumaßnahmen sowie fachliche Umsetzung und Interoperabilität von Systeminstallationen verbessert werden.
Bei GaiST steht insbesondere die intelligente Nutzung von Gebäudedaten zur Unterstützung von Pflege- und Betriebsprozessen im Fokus. In virtuellen Rundgängen durch reale Wohnumgebungen konnten Besucher verschiedene Sensortypen kennenlernen und nachvollziehen, welche Messwerte sie liefern und welchen konkreten Nutzen sie etwa für die ambulante und stationäre Pflege haben können. Mit der Anbindung an den Datenraum erhalten Mieterinnen und Mieter, sowie Pflegende, Ambulante Dienste und Ärzte neue Möglichkeiten, um Leben in den eigenen vier Wänden noch lebenswerter zu gestalten. Durch Einsatz von Open Source und medizinischen sowie industriellen Standards zielt das Projekt auf eine Reduktion der Kosten und des Personalbedarfs im Gesundheitswesen ab.
Beim Satellitenprojekt COMET stehen Energie- und Gebäudedaten im Mittelpunkt. Hier wurde veranschaulicht, wie Bewohnerinnen und Bewohner Energieverbrauchsdaten selbstbestimmt teilen können, um daraus messbare Mehrwerte zu generieren, beispielsweise durch Transparenz über Einsparpotenziale und neue energienahe Services. COMET sammelt gelabelte Nutzerdaten und entwickelt eine Crowdsourcing-App, die die Verwaltung von Datenzugriffsrechten und die Bereitstellung von Daten ermöglicht. So können Nutzende beispielsweise personalisierte Informationen und Statistiken, etwa zum Energieverbrauch, abrufen.
Die Anwendungen verdeutlichten den Messebesuchern und -besucherinnen, wie der SmartLivingNEXT-Datenraum als gemeinsame Infrastruktur dazu beitragen kann, Smart-Living-Services praxisnah zu entwickeln, miteinander zu vernetzen und wirtschaftlich zu skalieren. Damit wird der Datenraum auch wirtschaftlich relevant: Während einzelne Use Cases häufig projektgebunden bleiben, schafft SmartLivingNEXT die Voraussetzungen für Wiederholbarkeit, Anschlussfähigkeit und Investierbarkeit.
Ausblick
Die Gespräche auf der Light + Building haben gezeigt: Offene Datenökosysteme werden zu einem entscheidenden Baustein der digitalen Transformation im Gebäudesektor. Mit seinem föderierten Datenraum schafft SmartLivingNEXT eine Grundlage für interoperable Anwendungen, neue Geschäftsmodelle und KI-basierte Services im Smart Living. Schidlack: „Die Türen für ein souveränes europäisches Datenökosystem im Gebäudebereich stehen offen. Jetzt gilt es, diese Chancen gemeinsam zu nutzen!
Redaktion:
Ilka
Klein
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