Klares Signal für die Fortführung: SmartLivingNEXT auf dem Weg in den Realbetrieb  

19. Februar 2026

Lesedauer:

12 Minuten

Wie kann ein souveräner, interoperabler Datenraum die Skalierung digitaler Geschäftsmodelle im Gebäudesektor ermöglichen? Und welche Rolle spielen dabei Künstliche Intelligenz (KI), klare Governance-Strukturen, Finanzierungsmodelle und konkrete Anwendungsfälle? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Preview zum SmartLivingNEXT-Datenraumportal.

Großartige Preview zum SmartLivingNEXT-Datenraumportal im HOLM in Frankfurt am Main am 12. Februar 2026

Am 12. Februar 2026 kamen im House of Logistics and Mobility (HOLM) in Frankfurt am Main rund 40 Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Wohnungswirtschaft, Verbänden, Digitalwirtschaft, Architektur, Forschung und Start-ups sowie Anwendungsprojekten zusammen, um den aktuellen Stand des Datenökosystems, seine strategische Einordnung sowie die nächsten Schritte in den Realbetrieb zu diskutieren. Zum Auftakt der Veranstaltung begrüßte Michael Schidlack, Principal Researcher bei der Forschungsvereinigung Elektrotechnik (FE) beim ZVEI e. V. und Konsortialleiter im SmartLivingNEXT Leitprojekt, alle Teilnehmenden. In seiner Einführung betonte er die Besonderheit der Veranstaltung für alle Beteiligten und erläuterte die Zielsetzung des Forschungsprojekts: ein europäisches und nutzerzentriertes Datenökosystem für Gebäude, Energie und smarte Dienste als Grundlage für KI, Innovation, Skalierung und digitale Souveränität zu schaffen. 

Im Anschluss übernahm Lars Thomsen, Gründer und Chief Futurist der future matters AG, die strategische Einordnung in größere technologische und gesellschaftliche Entwicklungen und zeigte auf, warum sektorübergreifende Datenökosysteme ein zentraler Hebel für Zukunftsfähigkeit sind. Insbesondere im Gebäudebereich läge enormes Potenzial darin, Daten sicher zu teilen und intelligent auszuwerten, so etwa zur Effizienzsteigerung, für neue Services oder resiliente Geschäftsmodelle. Besondere Bedeutung maß Thomsen dabei der Rolle von Künstlicher Intelligenz bei, die sich von rein digitalen Anwendungen hin zur physischen KI entwickle: mit smarten Geräten, vernetzten Gebäuden und Infrastrukturen, die selbstständig lernen und interagieren. SmartLivingNEXT ordnete Thomsen genau in diesen Kontext ein: als Antwort auf die Frage, wie technologische Exzellenz, europäische Werte und gesellschaftlicher Nutzen zusammengeführt werden können. Ein offenes, sicheres und europäisches Datenökosystem sei die Voraussetzung dafür, dass aus Visionen marktfähige, vertrauenswürdige Lösungen entstünden. 

Use Cases im Fokus: Wo entsteht konkreter Nutzen? 

Im anschließenden Use-Case-Block wurde deutlich, wie praxisnah und skalierbar das SmartLivingNEXT-Ökosystem bereits heute wirkt. Tobias Hensel von der wowiconsult GmbH zeigte anhand einer Live-Demo, wie durch intelligente Datenaggregation konkrete Mehrwerte für die Wohnungswirtschaft entstehen. So lassen sich über eine webbasierte Plattform bislang isolierte Gebäudedaten zusammenführen, Energiedaten standardisiert auswerten und Effizienzkennzahlen automatisiert berechnen. Damit können Sanierungsvarianten datenbasiert simuliert und Investitionsentscheidungen fundierter getroffen werden. Hensel: „Durch die Anbindung an den SmartLivingNEXT-Datenraum werden Datensilos überwunden, Projekte schneller skalierbar und neue Zielgruppen erschlossen.” 

Dr. Hilko Hoffmann vom DFKI demonstrierte anhand des Dudoparks in Saarbrücken, wie KI-Agenten zukünftig komplexe Energieprognosen mit wenigen einfachen Befehlen erstellen können. Durch intelligentes Hintergrund-Mapping werden Gebäudedaten kontextuell verstanden und automatisch analysiert. SmartLivingNEXT fungiert dabei als digitale Infrastruktur, da qualitätsgesicherte Daten interoperabel bereitgestellt werden und KI-Agenten skalierbar darauf zugreifen können. 

Im Anschluss daran stellte Tobias Quickert von der Materna Information & Communications SE das Energieeffizienz-Datenportal (EEDP) als Business Enabler vor. Es führt Energie- und Gebäudedaten aus öffentlichen und geschützten Quellen zusammen und leitet mithilfe standardisierter KI-Bausteine konkrete Maßnahmen ab, so etwa Lastprognosen, Sanierungsindizes oder CO₂-Einsparpotenziale. Das EEDP reduziert technische Komplexität, erleichtert Compliance und ermöglicht Serviceanbietern einen schnelleren Markteintritt. „Innerhalb unseres Forschungsprojektes entsteht zwar kein fertiges Produkt, aber der Nachweis, dass eine föderierte, KI-gestützte Energieinfrastruktur wirtschaftlich und technisch funktioniert”, so Quickert abschließend. 

Satellitenprojekte im Dialog: Vom einzelnen Use Case zum skalierbaren Ökosystem 

Einen besonderen Einblick in die praktische Wirkung von SmartLivingNEXT bot das Dialogformat mit den Satellitenprojekten ExpliCareNEXT und GAiST. Satellitenprojekte entwickeln eigenständige, anwendungsnahe Lösungen, denken diese jedoch konsequent im Kontext des gemeinsamen SmartLivingNEXT-Datenraums weiter. Sie stehen damit exemplarisch für den Übergang vom isolierten Use Case hin zu einem skalierbaren, investierbaren Ökosystem. Im Gespräch, moderiert von Michael Schidlack, machten Enrico Löhrke, ExpliCareNEXT, und Nizar Müller, GAiST, deutlich, was sie persönlich antreibt und warum ihre Projekte gerade im Zusammenspiel mit einem föderierten Datenraum an Wirkung gewinnen. 

Beide Projekte adressieren konkrete Herausforderungen im Versorgungs- und Pflegekontext und zeigen bereits heute messbaren Nutzen im Alltag. Bei GAiST steht insbesondere die intelligente Nutzung von Gebäudedaten zur Unterstützung von Pflege- und Betriebsprozessen im Fokus. ExpliCareNEXT wiederum demonstriert, wie datenbasierte Services Transparenz schaffen, Abläufe vereinfachen und die Qualität von Versorgung und Betreuung verbessern können. Der entscheidende Hebel liegt aus Sicht beider Projektpartner jedoch im SmartLivingNEXT-Datenraum selbst. Erst durch eine gemeinsame, vertrauenswürdige Dateninfrastruktur lassen sich die entwickelten Lösungen über einzelne Standorte oder Projektkonstellationen hinaus skalieren. SmartLivingNEXT ermöglicht es, Daten souverän zu teilen, KI-gestützte Anwendungen weiterzuentwickeln und neue Akteursgruppen einzubinden, und zwar weit über bilaterale Kooperationen hinaus. 

Damit wird der Datenraum auch wirtschaftlich relevant: Während einzelne Use Cases häufig projektgebunden bleiben, schafft SmartLivingNEXT die Voraussetzungen für Wiederholbarkeit, Anschlussfähigkeit und Investierbarkeit. Für Nizar Müller liegt genau darin der Unterschied zwischen einer guten Einzellösung und einem tragfähigen Marktmodell. Enrico Löhrke richtete deshalb eine klare Einladung an Organisationen, die heute noch zögern: Wer digitale Geschäftsmodelle in der Gebäudebranche und in der Gesundheits- und Pflegewirtschaft langfristig denken will, sollte sich frühzeitig aktiv in SmartLivingNEXT einbringen, und zwar nicht nur als Nutzer, sondern als Mitgestalter eines gemeinsamen Ökosystems. 

Preview des Datenraumportals: Transparenz und Interoperabilität 

Einen zentralen Programmpunkt bildete die Vorstellung des SmartLivingNEXT-Datenraumportals durch Fanni Vespermann und Thomas Feld, beide Materna Information & Communications SE. Die Teilnehmenden erhielten einen Einblick in Architektur, Funktionalitäten und Zielbild des Portals, das als zentraler Zugangspunkt für Akteure im SmartLivingNEXT-Ökosystem dient. Im Fokus standen dabei Interoperabilität, Nutzerfreundlichkeit und die Anschlussfähigkeit an bestehende europäische Datenrauminitiativen. Das Datenraumportal (DRP) vermittelte einen konkreten Eindruck davon, wie die Administration im SmartLivingNEXT-Ökosystem künftig strukturiert und nutzerfreundlich gestaltet werden kann. Im Kern fungiert das DRP als Benutzungsschnittstelle zur Administration, hier sowohl für die eigene Organisation (etwa Unternehmen oder Vereine) als auch für die von dieser Organisation angebotenen Daten und Services. Im Fokus der Präsentation standen praxisrelevante Funktionen wie das Onboarding neuer Teilnehmer, die strukturierte Einrichtung von Datenangeboten sowie die Verwaltung von Policys und Contracts. Gerade diese administrativen Prozesse gelten in föderierten Datenräumen als komplex und fehleranfällig. Hier setzt das DRP an: Es führt Organisationen mithilfe klar strukturierter Formulare durch die implementierten Workflows und unterstützt jeden Schritt mit erläuternden Hilfetexten. Durch das DRP wird die Administration wesentlich erleichtert und Fehlbedienungen minimiert.

Damit reduziert das Portal nicht nur technische Komplexität, sondern schafft auch Transparenz und Rechtssicherheit im Umgang mit Datenfreigaben und Nutzungsbedingungen. Policys und Verträge lassen sich nachvollziehbar anlegen, verwalten und anpassen, ein zentraler Baustein für Vertrauen und Governance im Datenökosystem. Als Bestandteil des SmartLivingNEXT-Blueprints steht das Datenraumportal allen teilnehmenden Organisationen zur Verfügung. Es bildet somit eine verbindende Verwaltungsebene im Ökosystem und sorgt dafür, dass technische Infrastruktur, Governance-Anforderungen und praktische Nutzbarkeit systematisch zusammenspielen. 

Organisation, Governance und Wirtschaftlichkeit 

Einen kompakten Überblick über den ökonomischen und organisatorischen Unterbau von SmartLivingNEXT gab Rahild Neuburger von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Sie erläuterte das von ihrem Team entwickelte Finanz- und Governance-Modell, das einen langfristig tragfähigen Betrieb des Datenökosystems sicherstellen soll. So ist die Finanzierung mehrstufig angelegt: In der Forschungsphase (2023–2026) wird SmartLivingNEXT mit rund 25 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert. Für die anschließende Betriebsphase ist ein hybrides Modell vorgesehen, das Grundmitgliedsbeiträge mit nutzungsabhängigen Komponenten kombiniert. Transaktionsgebühren sind zunächst nicht geplant, perspektivisch ist ein Freemium-Modell möglich. Ziel ist eine kostendeckende Struktur mit einem Break-even bei etwa 400 teilnehmenden Organisationen. 

Organisatorisch empfiehlt die LMU die Gründung einer eigenständigen Betreibergesellschaft (GmbH), die Koordination, Weiterentwicklung der Infrastruktur sowie Governance- und Compliance-Fragen übernimmt. Klare Rollenmodelle für Datengeber, Datennutzer, Serviceanbieter und technische Betreiber sowie transparente Lizenz- und Regelwerke sichern Datensouveränität und Vertrauen. Ergänzt wird dies durch strukturierte Entscheidungs- und Beteiligungsprozesse, die eine faire, nicht-proprietäre Weiterentwicklung des Ökosystems ermöglichen. Damit wird deutlich: SmartLivingNEXT zielt nicht auf kurzfristige Gewinne, sondern auf ein nachhaltiges, skalierbares Datenökosystem, als Grundlage für mehr Innovationsfreiheit, weniger Abhängigkeit von proprietären Systemen und eine gestärkte europäische Smart-Living-Branche. 

Ausblick: Nächste Schritte im SmartLivingNEXT-Ökosystem 

In der abschließenden Diskussionsrunde, moderiert von Michael Schidlack, wurden zentrale Erkenntnisse zusammengeführt und die nächsten Schritte skizziert. Mit der Preview des Datenraumportals wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht und zugleich die nächste Phase eingeläutet: die weitere Einbindung von Akteuren, die Vertiefung konkreter Use Cases und die schrittweise Überführung in den Realbetrieb, der im August dieses Jahres startet.

Als es um die Frage der Fortsetzung nach Projektende ging, hoben alle Teilnehmenden die Hand. Das gemeinsame Interesse an einer Weiterarbeit und der Start des Realbetriebes war eindeutig. Damit ist es gelungen, den SmartLivingNEXT-Datenraum als konkret nutzbare Infrastruktur sichtbar zu machen, den wirtschaftlichen Mehrwert realer Use Cases, insbesondere durch den Einsatz von KI, nachvollziehbar darzustellen und den Übergang vom Forschungsprojekt in einen tragfähigen Realbetrieb strukturiert zu adressieren. Somit steht das Projekt an einem entscheidenden Punkt: Es geht weniger um das „Ob“ eines Datenraums als um das „Wie“ seiner weiteren Ausgestaltung und Beteiligung nach Ende der Forschungsphase. „Der Datenraum wird nicht mehr als Vision diskutiert, sondern als konkrete Infrastruktur eingefordert. Jetzt kommt es darauf an, den Übergang in einen verlässlichen Realbetrieb gemeinsam zu gestalten: mit klaren Rollen, Governance und Investitionsbereitschaft“, so Michael Schidlack. 

Artikel im Audio-Format:

Redaktion:

Ilka

 Klein

Kategorie:

Leitprojekt

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