SmartLivingNEXT: Neue Level für das digitale Wohngebäude
25. Februar 2026
Lesedauer:
4 Minuten
Wie entsteht aus einem intelligenten Gebäude eine digitale Infrastruktur? Und welchen Beitrag leistet ein föderierter Datenraum, um aus einzelnen Use Cases ein skalierbares, interoperables und souveränes Ökosystem zu formen? Im Forschungsprojekt SmartLivingNEXT werden Wohngebäude konsequent weitergedacht: nicht nur als smarte Einzelobjekte, sondern als Teil eines mehrstufigen, vernetzten Systems. SmartLivingNEXT entwickelt und erprobt dafür eine offene, föderierte Datenraumarchitektur, die Interoperabilität, Datensouveränität und wirtschaftliche Skalierbarkeit systematisch verbindet.
Gastbeitrag von Michael Schidlack, FE-ZVEI
Ein Drei-Level-Modell macht sichtbar, wo lokaler Mehrwert entsteht, wie wirtschaftlicher Nutzen gehoben wird und wie Gebäude schließlich infrastrukturelle Wirkung entfalten. Genau hier setzt das „Next Level“ an: bei der verbindenden Architektur zwischen Gebäudeintelligenz, digitalem Betrieb und sektorübergreifender Vernetzung. Digitale Wohngebäude werden häufig über einzelne Anwendungsfälle beschrieben: intelligente Heizungssteuerung, Energie-Monitoring, vorausschauende Wartung oder KI-gestützte Analysen. Was dabei oft fehlt, ist eine strukturelle Einordnung: Auf welchem Level entsteht welcher Mehrwert? Und wie werden diese Ebenen interoperabel miteinander verbunden?
Im Rahmen von SmartLivingNEXT denken wir mit einem Drei-Level-Modell. Es unterscheidet lokale Gebäudeintelligenz, betriebliche Wertschöpfung und systemische Aggregation und zeigt, wie diese Ebenen architektonisch durch einen föderierten Datenraum verbunden werden können. SmartLivingNEXT steht damit nicht nur für den Projektnamen, sondern für den Anspruch, die nächste Entwicklungsstufe digitaler Vernetzung zu gestalten.
Nicht der einzelne Use Case steht im Mittelpunkt, sondern die verbindende Struktur zwischen den Leveln – das eigentliche Next Level.
Professor Dr. Thomas Hess, Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München
Level 1: Das intelligente Gebäude
Auf der ersten Ebene steht das einzelne Gebäude. Hier entstehen die Daten: Sensoren erfassen Temperaturen, Energieverbräuche oder Anlagenzustände, Automationssysteme regeln Betrieb und Effizienz. Diese lokale Intelligenz bildet die Grundlage jeder Digitalisierung im Wohngebäude. Sie sorgt für Transparenz, Effizienz und Betriebssicherheit. Gleichzeitig bleibt sie strukturell auf das einzelne Objekt begrenzt. Klassische Gebäudeautomation endet an der Gebäudegrenze, Daten sind vorhanden, aber nicht systemisch vernetzt.
Lokale Intelligenz ist Voraussetzung, aber noch keine Infrastruktur.
Dr. Hilko Hoffmann, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI)
Level 2: Der digitale Betrieb
Die zweite Ebene erweitert den Blick vom einzelnen Gebäude auf Bestände und Portfolios. Daten aus mehreren Objekten werden zusammengeführt und in operative sowie strategische Steuerungsprozesse integriert. Für Wohnungsunternehmen, Pflege- und Gesundheitsdienstleister, Handwerks- und Wartungsunternehmen sowie weitere Serviceunternehmen entstehen so neue Möglichkeiten: optimierte Instandhaltungsstrategien, transparente Kostenstrukturen, Effizienzanalysen und perspektivisch automatisierte Verwaltungs- und Abrechnungsprozesse oder Bewohnerservices
Daten werden hier zu einem strategischen Steuerungsinstrument. Voraussetzung dafür ist Interoperabilität. Der föderierte Datenraum schafft die strukturelle Grundlage, um Daten standardisiert, sicher und kontrolliert nutzbar zu machen, und zwar über Unternehmens- und Systemgrenzen hinweg.
Level 3: Gebäude als Teil der Infrastruktur
Auf der dritten Ebene werden Gebäude als Bestandteil größerer Zusammenhänge verstanden: im Quartier, in der Kommune oder in sektorübergreifenden Infrastrukturen. Daten können gebäudeübergreifend aggregiert und beispielsweise für Energieplanung, Netzstabilität oder integrierte Versorgungskonzepte genutzt werden. Gebäude werden damit zu aktiven Bausteinen einer digitalen und energiewirtschaftlichen Infrastruktur.
Diese Perspektive gewinnt im Kontext von Energiewende, Resilienz und europäischer Datensouveränität zunehmend an Bedeutung. Hier zeigt sich der Kern von SmartLivingNEXT: der Übergang vom smarten Einzelobjekt zu einem vernetzten, souveränen Datenökosystem.
Der Datenraum ist keine zusätzliche Anwendung. Er ist die verbindende Architektur zwischen den einzelnen Ebenen.
Thomas Feld, Materna
Der Datenraum als verbindende Struktur
Das Drei-Level-Modell verdeutlicht die Rolle des Datenraums innerhalb von SmartLivingNEXT. Auf Ebene 1 entstehen Daten, auf Ebene 2 werden sie wirtschaftlich nutzbar gemacht und schaffen Mehrwert für Individuen und Unternehmen, und auf Ebene 3 entfalten sie infrastrukturelle Wirkung, von der alle – Individuen, Unternehmen und Staat – profitieren. Erst durch die strukturierte Verbindung dieser Level entsteht ein skalierbares, interoperables und souveränes Datenökosystem für Wohngebäude und genau darin liegt das “Next Level” von SmartLivingNEXT.
Redaktion:
Ilka
Klein
Kategorie:
Leitprojekt
SmartLivingNEXT
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